Am 13. August 1961 - wurde in Berlin die Mauer errichtet:

Stacheldraht versperrte Straßen, trennte Familien und Freunde, auch Kirchengemeinden. Eine tödliche Grenze durchschnitt das Herz der Stadt. Der Versuch, die Massenflucht von Bürgern aus der DDR mit Mauer und Stacheldraht zu verhindern, war das Eingeständnis des Scheiterns der SED-Politik. Er war letztlich erfolglos gegen den Freiheitswillen der Menschen und gegenüber dem Durchhaltevermögen der West-Berliner und West-Alliierten. Doch 28 Mauer-Jahre zerstörten viele Leben.

1989 ist die Mauer gefallen. Dies gilt weltweit als Beispiel für den Erfolg des Strebens nach Demokratie und Menschenrechten. Unmittelbar nach dem Mauerfall hat sich die Versöhnungsgemeinde stark für eine Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße eingesetzt, war sie doch selbst eine der "Mauer-Gemeinden". Die Wunde der Sprengung ihrer alten Versöhnungskirche, die durch den Grenzausbau im Todesstreifen der Mauer lag, war nach vier Jahren noch frisch. Die Ereignisse in der Bernauer Straße waren international bekannt durch Bilder, die um die Welt gingen: Bewohner seilen sich aus den Fenstern der unmittelbar an der Mauer gelegenen Häuser ab, der Grenzsoldat Conrad Schumann springt über den Stacheldraht, Verzweifelte winken sich von beiden Seiten der Mauer zu.

Denkmalschützer, Museumsmitarbeiter, Versöhnungsgemeinde und Kulturpolitiker gemeinsam konnten nach dem Mauerfall 200 Meter Grenzanlage in der Bernauer Straße vor dem Abriss bewahren. Es brauchte aber weitere konfliktreiche Jahre, bis das gerettete Stück dauerhaft gegen andere Interessen aus der Verkehrs- und Stadtplanungspolitik, der Friedhofsplanung usw. erhalten werden konnte. Die Versöhnungsgemeinde war beim Schutz der Spuren, Dokumentieren der Ereignisse und Agieren für eine Gedenkstätte von Anfang an mit dabei.

Ein erster Wettbewerb führte 1999/2000 zu einem Denkmalensemble "Berliner Mauer", bestehend aus einem Denkmal, dem Dokumentationszentrum im Gemeindehaus der Versöhnungsgemeinde, und der "Kapelle der Versöhnung" am Ort der gesprengten alten Versöhnungskirche. Ein zweiter Wettbewerb erweitert nun die Anlage entlang der Bernauer Straße: 1,3 km lang wird die Gedenkstätte sein, die am 13. August 2011 von Bundespräsident Christian Wulff in Anwesenheit der Bundeskanzlerin und des Regierenden Bürgermeisters eingeweiht wird. Bischof Dr. Markus Dröge wird in der Andacht sprechen.

Der Kirchenkreis Wedding hatte als einer der Wenigen schon früh die Bedeutung der Gedenkstätte für das Wohl der Stadt erkannt und das Engagement der Versöhnungsgemeinde von Anfang an unterstützt. Es war kein rein politisches und gesellschaftliches, sondern im Kern immer eine kirchliches Engagement in den vergangenen 20 Jahren, geprägt von dem Glauben, dass Gott uns an die Seite der Opfer stellt (Mt. 25,36) und dass wir zum Gotteslob berufen sind (Ps. 103, 2): "...und vergiss nicht, was er dir Gutes getan." Dafür hat die Gemeinde mitten im Gedenkareal der Mauer ihre "Kapelle der Versöhnung" gebaut und hält sie täglich offen: Zur Klage und Fürbitte für die Opfer der Mauer und zum Lob und Dank für die Bewahrung in Zeiten der Gewaltherrschaft, die wie durch ein Wunder in einer friedlichen Revolution beendet wurde.

Der 13. August 2011 ist kein Jubiläum - kein Tag der Freude und des Jubels - er ist ein Tag der ernsten Besinnung, aber auch ein Tag, der uns ermessen lässt, was seit 1989 alles gelungen ist.


Seit dem 13. August 2005 finden von Dienstag bis Freitag um 12.00 Uhr mittags in der Kapelle der Versöhnung in der Bernauer Straße (Einmündung Hussitenstr.) in Berlin Andachten zum Gedenken an die Todesopfer der Berliner Mauer statt. Im Mittelpunkt jeder Andacht steht die Verlesung der Biografie eines Mauertoten.
Die Andachtenreihe wurde von der Versöhnungsgemeinde initiiert. Sie wird mitverantwortet von der "Stiftung Berliner Mauer".
Die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und das "Bürgerbüro zur Aufarbeitung der SED-Diktatur e.V." unterstützen die Initiative.
Im Mittelpunkt jeder Andacht steht die Biografie eines Mauertoten, dessen Schicksal so öffentlich dem Vergessen entrissen werden soll. Ein Name steht für viele, doch jeder Name steht für einen einmaligen Menschen. Das Ziel der Andacht ist es, den Angehörigen Trost zu spenden, dem bürgerschaftlichen Erinnern am historischen Ort eine Form zu geben und das Gedenken an die Toten der Berliner Mauer stärker in der Gesellschaft zu verankern. Bürger und Besucher, Männer und Frauen, Junge und Alte, Angehörige der Opfer und deren Freunde können sich aktiv an den Andachten beteiligen.
Weitere Formen des Gedenkens an die Todesopfer der Berliner Mauer

In 2013 nahmen 2732 Teilnehmer an 169 Andachten teil.
Seit 2005 nahmen 26.024 Menschen an den Andachten teil.
Es fanden 1400 Andachten statt. Teilnehmer: Ø 19Personen
Die Kapelle der Versöhnung hatte seit ihrer Einweihung im Jahr 2000, 1.449.432 Besucher.

Evangelische Versöhnungsgemeinde, Bernauer Str. 111,13 355 Berlin, Tel. 030 463 60 34 mail: kirche.versoehnung@berlin.de
www.gemeinde-versoehnung.org

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