30 Jahre Kirchenkreis Wedding heute fusioniert Im Kirchenkreis Berlin Nord-Ost /www.kiche-berlin-nordost.de
ein persönlicher Rückblick
1975-2005

Pfarrer Manfred Fischer (Versöhnungsgemeinde)
und Pfarrer Hans Zimmermann (heute Kapernaum-Gemeinde)

Im Advent 1975 sind wir beide als junge Pfarrer in den Kirchenkreis Wedding gekommen. Einige Pfarrstellen waren damals zu besetzen. Am Rande der Stadt, direkt an der Mauer, wollte damals offenbar keiner gerne als Pfarrer arbeiten und wohnen.

Wir zogen mit unseren Familien in die Wollankstraße, in die Martin-Luther-Gemeinde Pankow-West und in die Bernauer Straße, in die Versöhnungsgemeinde. Beide Gemeinden waren durch die Mauer 1961 getrennt worden. Die alte Versöhnungskirche stand noch, und zwischen beiden Martin-Luther-Gemeinden in Pankow und im Wedding entstanden bald intensive Kontakte, wenn auch anfangs nur mit einseitigen Besuchen von West nach Ost.

Im neu gegründeten Kirchenkreis Wedding wuchsen schnell Kontakte zwischen uns Pfarrern, die wir in Einzelpfarrstellen sonst bald vereinsamt wären. Schon Ende der siebziger Jahre gab es Sparzwänge. Kirchenaustrittswellen minderten den Gemeindegliederstand, wenn auch noch nicht so dramatisch wie in diesen Zeiten, 30 Jahre später. Die Vernetzung zwischen den Gemeinden bildete die Grundidee der späteren Regionenbildung in unserem Kirchenkreis. Wichtig war uns damals eine Vision von Kirche und Gemeinde in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Gedanken fanden ihren Niederschlag im so genannten "Perspektivpapier", das uns über viele Jahre vom Leitbild her eine "Gemeindekirche" bauen ließ. Es sollte weniger eine "Versorgungskirche" oder eine reine "Kultkirche" sein.
In die Diskussion um diese Thesen fiel die Umstrukturierung der Arbeit der Gemeindeschwestern hin zu den Diakonie- und Sozialstationen. Trotz großer Bedenken war es damals nicht möglich, sich gegen diesen starken Strom der Landeskirche zu stemmen. Mit großem Engagement und großen Sorgen hatten sich Weddinger Kreissynoden mit Baufragen, besonders unserer großen Innenstadtkirchen, beschäftigt.
Die neue Nazareth-Kirche fiel an das Land Berlin zurück, weil die Gemeinde sich auf den alten Schinkelbau und das Gemeindehaus konzentriert hatte, die Friedenskirche wurde verkauft und vor einem Jahr die Martin-Luther-Kirche Pankow-West abgerissen. Solche Schritte sind schmerzvolle Einschnitte aber ermöglichen - so Gott will - ein Weiterwirken vor Ort auch mit geringeren Kräften.

Was hat sich nicht alles geändert in den vielen Jahren: Menschen sind gestorben, neue MitarbeiterInnen mit neuen Ideen sind in unseren Gemeinden hinzu gekommen, die Mauer ist gefallen, viele Arbeitsplätze im Bezirk sind verloren gegangen, Fabriken wurden geschlossen, Kinder wurden geboren, Menschen aus unterschiedlichsten Ländern der Welt sind in unseren Bezirk gezogen, wir Christen sind zur Minderheit geworden, müssen uns wieder neuen Herausforderungen stellen.

Die Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße auf dem ehemaligen Mauerstreifen ist ein Zeichen dafür, dass mit vereinten Kräften Neues wachsen kann, ebenso wie die vielen Menschen, die sich in unseren Gemeinden versammeln, Gottesdienste feiern, und sich den aktuellen Herausforderungen in unserer Zeit stellen

Ein herzliches Gott befohlen
Pfarrer Hans Zimmermann und Pfarrer Manfred Fischer

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